Meine Reisen,  Venedig

Venedig – Eine Liebe auf den zweiten Blick

Es gibt Städte, die einen sofort in ihren Bann ziehen, und dann gibt es Venedig – eine Stadt, die ich lange ignoriert habe. Zu touristisch, zu überlaufen, zu oft besucht. Doch als ich meinen 30. Geburtstag feierte, entschieden meine (damals) Verlobte und ich, der Lagunenstadt doch eine Chance zu geben. Mit dem Zug von Wien aus machten wir uns auf den Weg – und verliebten uns in die Stadt. Mittlerweile war es nicht nur bei einem Besuch geblieben, sondern wir waren bereits dreimal in dieser magischen Stadt.

Die Anreise mit dem Zug

Unsere Reise beginnt am Wiener Hauptbahnhof, von wo aus wir mit dem Zug in der Früh (6:25) nach Venedig fahren. Eine bequeme und romantische Art zu reisen und am Nachmittag erwartet einen die Ankunft im prachtvollen Bahnhof Venezia Santa Lucia, direkt am Canal Grande. Es gibt kaum eine schönere Art, eine Stadt zu betreten, als direkt vom Zug in ein Vaporetto (Wasserbus) zu steigen und durch die Kanäle zu gleiten.

Unsere Unterkunft: Lido di Venezia

Anstatt mitten im Trubel der Altstadt oder im wenig reizvollen Mestre zu übernachten, entschieden wir uns für die Insel Lido di Venezia. Diese Insel, nur eine kurze Vaporetto-Fahrt von San Marco entfernt, bietet eine perfekte Mischung aus Ruhe und venezianischem Charme. Unsere Wahl fiel auf die Villa Ines – ein kleines, familiäres Hotel, das uns so sehr gefiel, dass wir mittlerweile schon zum dritten Mal dort wohnen werden. Der Lido hat nicht nur traumhafte Strände, sondern auch eine entspannte Atmosphäre, die besonders nach einem langen Tag in der Stadt wohltuend ist.

Vom Bahnhof Venezia Santa Lucia nimmt man die Vaporetto-Linie 5.2, um hinter der Stadt zur Insel Lido zu gelangen. Alternativ kann man die Linie 5.1 nehmen, die an San Marco vorbeiführt – eine Route, die einen großartigen Blick auf den Markusturm und den Dogenpalast bietet.

Lido di Venezia

Sobald man in Lido di Venezia aus der Vaporetto-Station tritt, setzt der Urlaubsmodus ein. Die ruhige Atmosphäre und die idyllische Umgebung verzaubern sofort.

Die Sestiere von Venedig

Venedig besteht aus mehreren Stadtteilen. Der von Touristen am häufigsten besuchte Stadtteil ist das Centro Storico, die Altstadt von Venedig. Dieser Stadtteil wird in Sestiere unterteilt. Das sind die sogenannten „Bezirke“. Es gibt sechs Sestiere. Darunter San Marco, San Polo, Cannaregio, Dorsoduro, Castello und Santa Groce.

Die Altstadt (Centro Storico) hat eine Fläche von 5,7 Quadratkilometer. Im Centro Storico gibt es keine Autos und Fahrradfahren ist auch verboten. Die Altstadt ist geprägt von vielen kleinen Kanälen mit vielen kleinen Brücken, aber auch vom Großen Kanal (Canal Grande), welcher die Stadt durchdringt.

Castello

Castello ist der größte Sestiere von Venedig. Er liegt im östlichen Teil der Stadt und umfasst auch die beiden Inseln Sant’Elena und San Pietro di Castello. Auch die Friedhofsinsel San Michele gehört dazu.

San Marco

San Marco ist das berühmteste und wohl meistbesuchte Sestiere Venedigs. Hier schlägt seit Jahrhunderten das politische, religiöse und wirtschaftliche Herz der Lagunenstadt. Zwischen prächtigen Palästen, engen Gassen und lebendigen Plätzen zeigt sich Venedig von seiner ikonischsten Seite.

Cannaregio

Cannaregio ist eines jener Viertel von Venedig, das man nicht „abarbeitet“, sondern erlebt. Hier wirkt die Stadt weniger inszeniert – dafür echter, leiser und nahbarer. Zwischen breiten Fundamenten, stillen Kanälen und kleinen Plätzen entfaltet sich ein Venedig, das vom Alltag seiner Bewohner lebt.

Santa Croce

Wer durch Santa Croce spaziert, entdeckt keine spektakulären Sehenswürdigkeiten im Minutentakt, sondern vielmehr stille Gassen, versteckte Kirchen und charmante Ecken abseits der großen Touristenströme. Gerade das macht den Reiz dieses Sestiere aus: Es wirkt bodenständig, unaufgeregt und authentisch.

San Polo

San Polo ist eines der kleinsten, aber geschichtsträchtigsten Sesitere Venedigs. Seit Jahrhunderten ist es eng mit Handel, Märkten und dem geschäftigen Leben rund um die Rialtobrücke verbunden.

Dorsoduro

Dorsoduro gilt als kulinarischer Geheimtipp, geprägt von traditionellen Osterien, studentischem Leben und einer angenehm entspannten Atmosphäre.

Inseln von Venedig

Lido di Venezia

Schon bald wird klar: Lido ist ganz anders als die Altstadt von Venedig. Hier gibt es weit weniger Touristen. Besonders auffällig wird das, als wir später mit dem Bus nach Alberoni – dem südlichsten Teil der Insel – fahren. Schnell bemerken wir, dass hier fast ausschließlich Italienisch gesprochen wird. Genau dieses authentische Gefühl macht Lido so besonders: 100 % Italien.

San Michele

Die Friedhofsinsel San Michele liegt zwischen Venedig und Murano und wirkt wie eine ganz eigene, stille Welt inmitten der Lagune. Während die geschäftige Stadt langsam in den Hintergrund rückt, nähert man sich einem Ort der Ruhe und Besinnung.

Giudecca

Die Insel Giudecca gehört zum Sestiere Dorsoduro und wirkt wie eine eigene kleine Welt. Weitläufiger, ruhiger und weniger dicht bebaut als das historische Zentrum bietet sie viel Platz zum Durchatmen – und einen herrlichen Blick zurück auf die Skyline Venedigs.

San Giorgio Maggiore

San Giorgio Maggiore ist eine kleine Insel südlich des Markusplatzes und liegt direkt gegenüber dem Dogenpalast in der Lagune von Venedig. Trotz ihrer prominenten Lage wirkt sie deutlich ruhiger als das gegenüberliegende Zentrum – fast wie ein Gegenpol zum Trubel rund um San Marco.

Murano

Murano, die weltberühmte Glasinsel in der Lagune von Venedig, ist nur eine kurze Fahrt vom Stadtzentrum entfernt und wirkt doch wie eine ganz eigene Welt. Die Anreise erfolgt bequem mit dem Vaporetto, etwa von der Station Ospedale, und bietet bereits unterwegs erste schöne Ausblicke auf die Lagune.

Burano

Unterwegs in Venedig

Vaporetto

Als Fortbewegungsmittel dienen in Venedig vor allem die sogenannten Vaporetti, die Wasserbusse der Stadt. Sie verkehren im und gegen den Uhrzeigersinn rund um die Altstadt, fahren durch das Centro Storico über den Canal Grande und verbinden außerdem die umliegenden Inseln mit Venedig. Die Tickets müssen – anders als in vielen anderen Städten – bei jeder Fahrt validiert werden. In den Booten gibt es Sitz- und Stehplätze.

An regnerischen Tagen kann es sehr entspannend sein, sich einfach in ein Vaporetto zu setzen und durch Venedig treiben zu lassen. Besonders empfehlenswert ist die Linie 1, die den Canal Grande entlangfährt – dort gibt es die meisten Palazzi und Sehenswürdigkeiten zu bestaunen.

Wassertaxi

Wer die Fahrt mit einem überfüllten Vaporetto vermeiden möchte, kann auf ein Wassertaxi ausweichen – schneller, aber auch deutlich teurer. Ein weiterer Vorteil der Wassertaxis ist, dass man direkt bis zum gewünschten Ziel gebracht wird – und nicht an die festen Anlegestellen der Vaporetti gebunden ist.

Traghetto

Entlang des Canal Grande findet man zudem Gondeln, die einen für kleines Geld auf die andere Seite übersetzen. So kommt man günstig in den Genuss einer Gondelfahrt. Man erkennt sie an den kleinen Stegen mit dem Schild „Traghetto“.

Kurz gesagt: Ein Traghetto ist die Alltagsversion der Gondel – praktisch, schnell und günstig. Perfekt, wenn man mal „Gondel-Feeling“ haben will, ohne gleich 80–100 € für eine Touristenfahrt auszugeben.

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Photo by Mathias Reding on Pexels.com

Gondel

Natürlich kann man Venedig auch klassisch mit einer Gondel erkunden. Diese Fahrten sind zwar deutlich teurer als Vaporetto oder Wassertaxi, dafür aber ein echtes Erlebnis. Man gleitet durch enge Kanäle, entdeckt versteckte Ecken der Stadt und sieht Venedig aus einer ganz besonderen Perspektive. Gerade in den ruhigeren Nebenkanälen bekommt man so einen einzigartigen Eindruck vom venezianischen Alltag.

Zu Fuß

Die günstigste und vielleicht schönste Art, Venedig zu entdecken, ist allerdings zu Fuß. Das gesamte Centro Storico lässt sich problemlos erlaufen. Nicht zu Fuß erreichbar sind lediglich die vorgelagerten Inseln:

  • Giudecca (gehört zu Dorsoduro),
  • San Giorgio Maggiore (gehört zu San Marco),
  • San Michele (gehört zu Castello).

Der Canal Grande

Der Canal Grande war für uns bei jedem Besuch das unbestrittene Highlight von Venedig. Ganz gleich, ob man von einer der Brücken das Panorama genießt, mit dem Vaporetto zwischen den Palazzi hindurchgleitet, das geschäftige Treiben auf dem Wasser beobachtet oder sich in einer Gondel treiben lässt – der Canal Grande verzaubert immer wieder aufs Neue.

Neben den prachtvollen Palazzi säumen auch beeindruckende Kirchen seine Ufer, die das Bild dieser einzigartigen Wasserstraße prägen. Der Canal Grande ist nicht nur die schönste, sondern auch die wichtigste „Hauptstraße“ Venedigs – allerdings eben nicht aus Asphalt, sondern aus Wasser.

Mit seinen rund 3,8 bis 4 Kilometern Länge, einer Breite von 30 bis 70 Metern und einer Tiefe von durchschnittlich 5 Metern ist er der größte Kanal der Stadt. Er durchquert dabei fast alle Stadtteile Venedigs und fließt durch fünf der sechs Sestieri – nur Castello bleibt außen vor. Wer den Canal Grande entlangfährt, reist gleichzeitig durch die Geschichte Venedigs: vom mittelalterlichen Glanz bis zur barocken Pracht, wie sie in den Fassaden der Palazzi sichtbar wird.

Brücken über den Canal Grande

Obwohl der Canal Grande die Stadt in zwei Hälften teilt und in etwa 5 km lang ist, führen nur vier Brücken über ihn.

Ponte di Rialto (Rialtobrücke)

Die älteste und wohl berühmteste ist die Rialtobrücke. Diese Verbindet die Sestiere San Marco und San Polo. Die heutige Form aus Stein existiert seit dem 16. Jahrhundert. Jedoch gab es sie bereits davor als Holzbrücke.

Heute ist sie der Anziehungspunkt für die Touristen. Auf der einen Seite bekommt man einen wunderbaren Ausblick auf den Canal Grande, auf der anderen Seite ist die Brücke gesäumt mit keinen Geschäften.

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Ponte dell’Accademia (Accademia Brücke)

Weiter südlich überspannt die elegante Ponte dell’Accademia den Kanal. Unserer Meinung nach bekommt man auf dieser Brücke das schönste Panorama Venedigs geboten. Mit Blick auf die Kirche Santa Maria della Salute (im Bild rechts). Diese Brücke besteht, anders als die Rialtobrücke, aus Holz. Die Brücke wurde 1933 eröffnet und verbindet die Sestiere San Marco und Dorsoduro.

Ponte degli Scalzi (Scalzibrücke)

Die Scalzi-Brücke befindet sich in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Santa Lucia und verbindet die Stadtteile Cannaregio und Santa Croce. Sie wurde 1934 eröffnet und ist damit eine der neueren Brücken über den Canal Grande.

Für viele Besucher ist sie die erste Begegnung mit Venedigs berühmtester Wasserstraße, da sie direkt am Bahnhof liegt. Ein typisches Bild sind Reisende, die mit ihren Koffern die Stufen hinauf- und hinunterbalancieren. Von der Brücke aus eröffnet sich ein eindrucksvoller Blick über den lebhaften Canal Grande – mit Vaporetti, Wassertaxis und Gondeln, die sich unablässig ihren Weg bahnen. Damit ist die Scalzi-Brücke nicht nur ein wichtiger Übergang, sondern auch ein idealer Ort, um gleich nach der Ankunft die einzigartige Atmosphäre der Lagunenstadt aufzusaugen

Ponte della Costituzione

Die modernste unter ihnen ist die Ponte della Costituzione, auch „Calatrava-Brücke“ genannt, die erst 2008 eröffnet wurde und den Piazzale Roma mit dem Bahnhof verbindet.

Zwischen diesen Brücken gibt es keine weiteren Übergänge – wer also den Canal Grande queren möchte, muss entweder einen Umweg in Kauf nehmen oder auf eine der Traghetto-Gondeln zurückgreifen, die als kleine Fähren an verschiedenen Stellen verkehren.

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Photo by Petr Ganaj on Pexels.com

Temporäre Brücken

1) Redentore Brücke (Juli)

Eine Besonderheit: Einmal im Jahr wird eine schwimmende Brücke zwischen San Marco und Giudecca errichtet. Sie wird anlässlich des Redentore Festes errichtet, welches immer am 3. Samstag im Juli stattfindet und als Dankfest für das Ende der Pestepidemie im 16. Jahrhundert stattfindet. Ein außergewöhnliches Erlebnis.

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Redentore Kirche – Photo by Efrem Efre on Pexels.com

2) Madonna della Salute Brücke (November)


Rund um den 21. November wird eine temporäre Brücke über den Canal Grande errichtet. Sie führt von der Gegend bei San Marco direkt zur Kirche Santa Maria della Salute. Tausende Venezianer überqueren sie jedes Jahr, um Kerzen anzuzünden und der Madonna für das Ende einer Pest im 17. Jahrhundert zu danken.

Santa Maria della Salute

Fazit

Venedig kann hektisch, teuer und überlaufen sein – keine Frage. Doch wer bereit ist, sich darauf einzulassen und auch die stilleren Momente zu suchen, wird mit Eindrücken belohnt, die lange bleiben. Es ist dieses Zusammenspiel aus Geschichte, Architektur, Wasser und Licht, das Venedig so einzigartig macht.

Am Ende ist Venedig kein Ort, den man „abarbeitet“, sondern einer, den man Schritt für Schritt entdeckt – und genau das macht die Stadt so besonders.

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